Studie Hufbeinrotation (Hufrehe)

"The effect of hoof angle variations on dorsal lamellar load in the equine hoof"

von Glenn Ramsey, 03/2011

Thema dieser Studie ist die Auswirkung eines rotierten Hufbeins (Hufrehe) auf die Belastung der Aufhängung.

Zusammengefasst kann gesagt werden: Je stärker das Hufbein rotiert ist, desto größer ist die Belastung auf die Aufhängung und desto schlimmer ist es für den Huf und das Pferd.

Normaler Weise ist das Hufbein bodenparallel (Palmarwinkel 0°) im Huf aufgehängt. Die gesamte Hufanatomie und der gesamte Bewegungsapparat sind darauf ausgelegt und funktionieren dann.


Eine Zusammenfassung der originalen Studie "The effect of hoof angle variations on dorsal lamellar load in the equine hoof"  wurde in Englisch im Equine Veterinary Journal unter dem Titel "Palmar Angles' Effect on Laminitic Horse Hooves" veröffentlicht und kann hier gelesen werden.

Eine freie Übersetzung dieser Zusammenfassung ins Deutsche kann im Anschluss gelesen werden.


Auswirkung des Palmarwinkels* auf die Hufe von Pferde mit Hufrehe

von: Casie Bazay, BS, NBCAAM • 24. September 2011 • Artikel Nr. 1886


(* Der Palmarwinkel ist der Winkel, den die Hufbeinbasis (Hufbeinunterseite) zum Boden bildet. Ein bodenparalleles Hufbein hat einen Palmarwinkel von 0°. Ist das Hufbein rotiert steigt der Palmarwinkel, je nach dem wie stark das Hufbein rotiert ist, an. Ein Palmarwinkel von 10° bedeutet, dass das Hufbein um 10° rotiert ist.)


Tierärzte und Forscher auf der ganzen Welt suchen seit Jahrzehnten nach einem Heilmittel für Hufrehe.Obwohl eine Heilung derzeit noch nicht in Sicht ist, wurden mehrere Behandlungsmöglichkeiten entwickelt, um Hufe von Pferden mit Hufrehe trotz ihrer Erkrankung zu entlasten. Ein Forscherteam aus Neuseeland hat kürzlich eine der gängigsten Behandlungsmethoden anhand biomechanischer Modelle getestet und stellte fest, dass sie bei der
Behandlung der klinischen Symptome der Krankheit möglicherweise nicht so wirksam ist, wie ursprünglich angenommen.

Hufrehe ist eine Erkrankung, die die Lamellenverbindung beeinträchtigt, eine 3–4 mm dicke Schicht aus Weichgewebe (Klebehorn), die die Hufwand mit dem Hufbein verbindet. Bei Pferden, die von Hufrehe betroffen sind, dreht sich das Hufbein innerhalb der Hufkapsel (Hufbeinrotation), was Schmerzen verursacht, die durch abnormalen Druck auf bestimmte Strukturen im Bein und im Huf verursacht werden.

In einigen Fällen heben Tierärzte und Hufschmiede die Trachten eines laminitischen (Hufrehe) Pferdes mithilfe von therapeutischem Beschlägen an, um den Hufwinkel zu vergrößern, in der Annahme, dass dieses Verfahren die Belastung der tiefen Beugesehne (DDFT) und die Laminae (Aufhängung) entlastet, die durch die Rotation des Hufbeins verursacht werden.

Eine aktuelle Studie unter der Leitung von Glenn Ramsey, Doktorand an der neuseeländischen Universität Auckland, untersuchte, wie sich Veränderungen des Hufwinkels auf die Belastung der dorsalen (nach vorne gerichteten) Lamellenverbindung im Huf auswirken.

„Dies ist der Bereich, in dem Schäden beobachtet werden, und das Ziel von Hufpflege-Maßnahmen, die darauf abzielen, die DDFT-Kraft (Kraft an Beugesehne) zu beeinflussen, besteht darin, die Belastung in diesem Bereich zu reduzieren“, erklärte Ramsey.

In der Studie erstellte das Team biomechanische Finite-Elemente-Modelle* von Pferdehufen mit Palmarwinkeln (dem Winkel, den die Unterseite des Hufbeins mit dem Boden bildet) von 0°-15° (Palmarwinkel 0° entspricht bodenparalelles Hufbein, Palmarwinkel 15° entspricht einer Hufbeinrotation von 15°).

(* Die Finite-Elemente-Methode ist ein computergestütztes Verfahren, bei dem im Wesentlichen ein komplexes Problem in eine endliche Anzahl einfacher Probleme zerlegt wird. Unter Verwendung von Informationen über die Bodenreaktionskraft (die Kraft, die der Boden auf einen mit ihm in Kontakt stehenden Körper) und die Gelenkbewegung (die Kraft, die das Gelenk um seinen Drehpunkt bewegen lässt), die aus einer früheren Studie gewonnen wurden, wurden computergestützte Modelle verwendet, um die Bedingungen zu simulieren, denen ein echter Huf beim Gehen ausgesetzt wäre.)

Die Forscher verglichen dann Modelle unter Verwendung der Dehnungsenergiedichte (SED), „einem Indikator für gespeicherte elastische Energie und damit eine lokale Belastung des Gewebes“, berichtete das Team.


Das Team stellte Folgendes fest:

  • In allen Belastungssimulationen war die SED am unteren Ende der laminaren Verbindungsstelle am niedrigsten und stieg nach oben hin an.
  • Die Spitzen-SED-Werte für den höchsten Palmarwinkel (15°) waren 1,3- bis 3,8-mal höher als die für den niedrigsten Palmarwinkel (0°); und
  • Modelle mit niedrigeren Palmarwinkeln wiesen eine gleichmäßigere Verteilung der SED auf als Modelle mit höheren Palmarwinkeln.


Was bedeutet das alles?


Die Ergebnisse des Teams deuten darauf hin, dass eine Erhöhung des Palmarwinkels tatsächlich die Belastung der dorsalen Laminae (Aufhängung) erhöht, anstatt sie zu verringern, was das beabsichtigte Ergebnis der Behandlung behindern könnte!!!

Jeder Fall von Hufrehe ist jedoch anders, daher sollten Pferdebesitzer vor Beginn der Behandlung mögliche Therapieoptionen für ihre Pferde mit Hufrehe mit ihrem Tierarzt und Hufbearbeiter besprechen, bevor sie eine Behandlung durchführen.

Die Studie "The effect of hoof angle variations on dorsal lamellar load in the equine hoof" („Der Einfluss von Hufwinkelabweichungen auf die dorsale Lamellenbelastung im Pferdehuf“) wurde in der Septemberausgabe 2011 des Equine Veterinary Journal veröffentlicht. Die Zusammenfassung ist online verfügbar.


The Horse | "Palmar Angles' Effect on Laminitic Horse Hooves"

"The effect of hoof angle variations on dorsal lamellar load in the equine hoof"


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